Aus der Geschichte
Der Turm am Westende der Brücke besteht eigentlich aus zwei Türmen von unterschiedlicher Ansicht, Entstehung und Größe. Der kleinere der beiden Türme wurde schon im romanischen Stil gebaut und war Teil der ersten Prager Steinbrücke, der Judithbrücke aus der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts, ist jedoch älter. Erstmals wurde er erst im Jahre 1249 erwähnt. Der zweite, höhere Turm wurde in Zusammenhang mit dem Bau der Karlsbrücke im Jahre 1357 nach dem Vorbild des Altstädter Brückenturm am gegenüberliegenden Ufer begonnen, fertiggestellt wurde er jedoch erst hundert Jahre später unter der Regierung Georg von Poděbrads. Beide Türme sind durch ein Tor mit Zinnen vom Beginn des 15. Jahrhunderts verbunden.
Der kleinere, sogenannte Judithturm diente seit dem Beginn des 15. Jahrhunderts als Kerker. In dieser Funktion hielt er zweihundert Jahre aus. In den Jahren 1591 bis 1784 saß im Turm ein Zollamt. Der Eingang in den Turm ist aus dem Haus Nr. 56, in dem das Prager Brückenamt und das Kaiserliche Salzamt ihren Sitz hatten. In dem Jahr der Einrichtung des Zollamts wurde der Turm im Renaissancestil umgestaltet. In den Kellern des Turms sind Ritzzeichnungen aus der Mitte des 13. Jahrhunderts erhalten, die menschliche Gestalten, Tiere und Waffen, einen achtzackigen Stern und mehrere Adelswappen darstellen. Der höhere der beiden Türme ist der jüngste Teil der gesamten Karlsbrücke. Er wurde vor allem als Lager genutzt, wegen seiner Lage jedoch auch wie der Turm der St.-Nikolai-Kirche und die Türme am Altstädter Ring als Wachturm.
Chronologie
* 1249 – Erste schriftliche Erwähnung des sogenannten Judithturms auf der Kleinseite
* 1357 – Grundsteinlegung des Turms und der Karlsbrücke durch Karl IV.
* 1411 – Etwa in diesem Jahr wird das neue Tor zwischen den Türmen errichtet und das Gefängnis in Betrieb genommen.
* 1591 – Im Judithturm entsteht ein Zollamt, es erfolgt ein Umbau im Renaissancestil.
* 1784 – Die Karlsbrücke wird durch Hochwasser beschädigt.
* 1841 – In Prag wird eine zweite Brücke gebaut, bis zu dieser Zeit war die Karlsbrücke die einzige feste Verbindung über die Moldau.
Bemerkenswert
Im Judithturm befindet sich ein wertvolles spätromanisches Kalksteinrelief, das die Übergabe des Königsamt an den zweiten tschechischen König Wladyslaw durch den römischen Kaiser Friedrich Barbarossa darstellt. Aus der präzisen Bearbeitung des Reliefs ist eine Inspiration durch antike Kunst erkennbar. Das Relief ist so ein erster Beleg für die Beziehung böhmischer Kunst zur antiken Tradition
Wie kommen sie mit dem städtischen nahverkehr zu uns?
Mit der U-Bahn B in die Station Malostranská und dann mit der Straßenbahn auf den Kleinseitner Ring (Malostranské náměstí).
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